Fritz Schwedopp, eine Spurensuche
in und um Ebeleben
EBELEBEN.
Frühjahr
1945. Der wahnwitzige Eroberungsfeldzug Hitlerdeutschlands war längst
verloren, denn die verbündeten Armee der Alliierten vom Westen und die
Sowjetarmee vom Osten drängten in das Ursprungsland des 2. Weltkrieges
hinein. Dresden fiel in Schutt und Asche nur wenige Städte und Dörfer
blieben am Ende in Deutschland vom Krieg vöIlig verschont. Auch die zum
Ende des Krieges durch Flüchtlinge und Wehrmachtsangehörige auf etwa
3000 Bewohner angewachsene Kleinstadt Ebeleben wurde davon in
Mitleidenschaft gezogen. Unter den Soldaten, die z.B. in Ebelebens
Schulstraße im dortigen Lazarett ihren Dienst versehen, oft selbst
verwundet, noch bis zum „Endsieg" kämpfen sollten, war auch der aus
Cranz (Ostpreußen) stammende Fritz Schwedopp stationiert. Schwedopp
1940 im Frankreichfeldzug verwundet und im Oscar-Helene-Heim in Berlin
gesundgepflegt, wurde 1944 nach Polen versetzt. 1945 nach
Thüringen verlegt, kam er im Zuge ständiger Umgruppierungen auch nach
Ebeleben (Zeitzeugen sprechen vom Dienst Schwedopps in einer
Flakeinheit am Ebelebener Bahnhof). Der junge Mann (geb. 25. 3. 1918)
soll laut Ebelebener Bürger den einrückenden Amerikanern am 6./7. April
1945 mit der weißen Fahne entgegengegangen sein. Auch ein Herr Böber
später Bahnhofsvorsteher in Ebeleben, soll dabeigewesen sein. Andere
Ebelebener sprechen davon, das von diesen auf dem Ebelebener Schloß
eine Kapitalulationsfahne gehißt wurde. Als aus dem Raum Greußen eine
SS-Einheit einen Gegenstoß in den Raum Ebeleben unternahm, setzten sich
die Amerikaner in den Raum Holzsußra /
Wiedermuth ab. Am Abend des 8. April 1945 wurde beobachtet, wie Fritz
Schwedopp mit einer Frau Helmboldt und deren Kind in Richtung
Schafstall (unterhalb des Hotzenberges), der sich in unmittelbarer Nähe
der sogenannten Bettelmannsquelle befand, ging. In diesem befanden sich
Hunderte von Flüchtlingen, da Ebeleben wegen der angekündigten
Bombardierung geräumt werden sollte. Sinnloserweise wurde die
Helbebrücke in Ebeleben von Pioniereinheiten gesprengt, obwohl zum
damaligen Zeitpunkt die Helbe wenig Wasser führte. An der anderen
Straßenbrücke über die Helbe wurde ein Brückenbogen herausgesprengt.
Nichts konnte aber die Amerikaner auf ihrem Vormarsch aufhalten. Für
den Wehrmachtsangehörigen Schwedopp aber kam dieses zu spät. In der
Nacht des 8. April 1945 spürten ihn SS-Leute (vielleicht auch
Feldgendarmerie) im Schafstall auf. Ein damaliger Ortspolizist soll ihn
laut Augenzeugenaussagen identifiziert haben. Schwedopp, aus dem Stall
herausgeführt, wurde durch zwei Schüsse standrechtlich hingerichtet.
Nur geringfügig verscharrt, ruhte hier bis zum Kriegsende jener Mann,
der Ebeleben dem normalen Menschenverstand folgend kampflos übergeben
wollte. Doch das Ebelebener Schloß brannte völlig aus. Artillerie und
Bombenflugzeuge leisteten ganze Arbeit. Die Domäne und viele Häuser
Ebelebens gingen ganz oder teilweise in Flammen auf, nur weil wenige
uneinsichtige Durchhaltefanatiker bis zum Endsieg kämpfen wollten. Nach
Kriegsende vom damaligen Leichenbestatter Aderhold auf den Ebelebener
Friedhof überführt, pflegte dessen Tochter Marta Schulze das Grab Fritz
Schwedopps über all die Jahre. Die Schwestern
Schwedopps,Margarete Hansen und Anni Kellotat sowie Hans Schwedopp, der Bruder des
Ermordeten, weilten vor kurzem in Ebeleben am Grab des „Helden von
Ebeleben". Am 8. April 1995 ist es 50 Jahre her, daß ein Mann mit
blühenden 27 Jahren, sinnlos sterben mußte.
Claus LUDWIG