Das MPO-Format (Multi Picture Object) wurde ursprünglich für die digitale Stereofotografie entwickelt und speichert standardmäßig zwei JPEG-komprimierte Bilder in einer einzigen Datei üblicherweise das linke und das rechte Halbbild eines Stereopaares. Eine Erweiterung dieses Konzepts auf drei gleichgroße Einzelbilder innerhalb einer MPO-Datei bietet gegenüber dem klassischen Zweibild-MPO sowohl neue Möglichkeiten als auch zusätzliche Einschränkungen.
Die MPO-Spezifikation basiert auf dem CIPA DC-007-Standard und nutzt intern das JFIF/EXIF-Containerformat. Jedes enthaltene Bild wird als eigenständiger JPEG-Datenstrom gespeichert, ergänzt um einen gemeinsamen Header und individuelle Metadaten-Blöcke. Das Format erlaubt prinzipiell mehr als zwei Bilder, weshalb eine Drei-Bild-Variante technisch realisierbar ist, ohne den Containerstandard zu verlassen.
Ein offensichtlicher Vorteil liegt in der erweiterten Bildkombination innerhalb einer einzigen Datei. So lässt sich neben dem linken und rechten Stereo-Halbbild ein drittes Bild speichern, das unterschiedliche Funktionen übernehmen kann: etwa ein Mittelbild für eine Drei-Kamera-Anordnung, ein Referenz-Mono-Bild für die einfache Vorschau ohne 3D-Ausgabegerät, oder ein Tiefen-Map-Bild, das Tiefeninformationen der Szene kodiert. Damit könnten Wiedergabegeräte und Bearbeitungsprogramme flexibler auf die gespeicherten Daten zugreifen, ohne auf externe Zusatzdateien angewiesen zu sein.Eine mögliche Anwendung besteht auch bei der Archivierung von Stereobildern.So z.B. die Kombination des Anaglyphenbildes mit dem linken und rechten Einzelbild.Die Anzeige in einem Bildbearbeitungsprogramm zeigt meist das erste der drei Bilder, im Falle dieses Beispiels wäre es das Anaglyphenbild, die anderen beiden blieben verborgen.So können durch eine sogn. Diaschau Anaglyphen auf einem Monitor dargestellt werden - die verwendeten Dateien sind aber 3er MPOs.Oder man archviert die Einzelbilder mit dem Depthmapbild.
Für Anwendungen wie die Berechnung von Anaglyphen, Cross-Eye-Darstellungen oder Side-by-Side-Ansichten ständen alle notwendigen Bilddaten gebündelt zur Verfügung. Auch bei der Archivierung entfällt die Notwendigkeit, zusammengehörige Dateien gesondert zu verwalten.
Dem stehen jedoch erhebliche praktische Nachteile gegenüber. Der größte ist die fehlende Unterstützung durch bestehende Hardware und Software: Kameras, 3D-Fernseher, Stereo-Viewer und Bildbearbeitungsprogramme wurden auf das klassische Zwei-Bild-MPO ausgelegt. Ein Drei-Bild-MPO würde von den meisten Geräten entweder abgelehnt oder nur unvollständig verarbeitet,häufig wird lediglich das erste enthaltene Bild angezeigt.
Darüber hinaus steigt die Dateigröße proportional zur Zahl der gespeicherten Bilder, was bei unkomprimierten oder wenig komprimierten Aufnahmen erheblich ins Gewicht fällt. Die verlustbehaftete JPEG-Kompression, auf der MPO beruht, ist für alle drei Teilbilder gleichermaßen anzuwenden, was den Einsatz als verlustfreies Archivformat ausschließt. Schließlich fehlt ein etablierter Standard für die Bedeutung des dritten Bildkanals, was zu Interoperabilitätsproblemen zwischen verschiedenen Anwendungen führen würde.
Im Vergleich zu konkurrierenden Formaten der Stereofotografie etwa dem JPS-Format (JPEG Stereo), dem PNS-Format (PNG Stereo) oder proprietären Lösungen einzelner Hersteller bleibt MPO das am weitesten verbreitete und am besten unterstützte Containerformat für Stereo-Standbilder. Eine Drei-Bild-Erweiterung würde diesen Vorteil jedoch zunächst einbüßen, solange keine breite Unterstützung durch Gerätehersteller und Softwareentwickler besteht. Neuere Ansätze wie das MVC-Format (Multi-View Coding) innerhalb von MPEG oder das OpenEXR-Format bieten zwar ausgereifte Multi-Bild-Strukturen, sind aber in der Stereofotografie für Einsteiger weniger gebräuchlich.
Ein MPO-Format mit drei gleichgroßen Einzelbildern ist technisch realisierbar und könnte in speziellen Anwendungsszenarien etwa der professionellen Drei-Kamera-Stereoskopie oder der Tiefeninformation-Kodierung sinnvolle Erweiterungen bieten. Für den breiten Einsatz in der digitalen Stereofotografie fehlen jedoch bislang einheitliche Standards, Gerätesupport und eine klare Definition der Rolle des dritten Bildkanals. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, bleibt das klassische Zwei-Bild-MPO die praktischere und interoperablere Wahl.
Man kann ja selbst entscheiden, ob das beschriebene 3erMPO für Einen nützlich sein könnte. Zum Download habe ich hier ein zip-File, daß außer dem Programm auch Beispieldateien enthält.