Prototypen
3D-Drucke von Figurenmodellen haben oft detaillierte
Oberflächen, wo die Nachbearbeitung durch Schleifen nicht machbar ist,
da es keine größeren zusammenhängenden Flächen gibt. Immer wieder wird
nach Methoden gefragt, wie die Rillen in der Oberfläche geglättet
werden können. Eine bekannte Methode bei ABS ist die Bedampfung mit
Aceton, bei PLA mit Tetrahydrofuran (THF). Eine andere Methode ist das
mehrmalige Lackieren mit Grundierungslack per Sprühdose. Beide
Methoden verwischen die noch vorhandenen
Einzelheiten der Oberfläche nicht nur die Druckrillen. Die
Maße verändern sich dadurch auch etwas. Das
Ganze ist annehmbar, wenn die Figuren unmittelbar z.B. zur
Dekoration verwendet werden sollen, nachdem sie evtl. bemalt wurden.
Bei mir dienen die 3D-Figuren oftmals als Prototypen zu Herstellung von
Gußfiguren aus Polyesterharz, Polyresin oder Gips (Artelin,) . Dazu
müssen von den Figuren Formen hergestellt werden, üblicher Weise aus
Silikonkautschuk. Dabei ist die erste Silikonform für die Erstellung
eines überarbeitbaren Abgusses aus Gips.Von der geglätteten Gipsfigur
werden dann die endgültigen Silikonformen für den mehrmaligen Guß in
dem gewünschten Material hergestellt. Es wird eine Menge
Silikonkauschuk gebraucht- eine teure Angelegenheit-das muß das Modell
schon wert sein. Ich habe auch schon gesehen,daß manche Leute klein
geschnittene Altformen aus Silikon in den neuen Guß einbringen, um
neues Silikon zu sparen. Für flache Formen kann essigvernetzbares
Silikon in
Kartuschen zu etwa 3 € aus dem Baumarkt verwendet werden. Manche
drücken dieses aus der Kartusche in Wasser mit viel Spülmittel, kneten
es zusammen und bringen es dann auf das Formmodell auf, wo es dann an
der Luft aushärtet. Diese Art, Formen herzustellen hat den Vorteil,
keine weiteren Zutaten zu verwenden - der Nachteil ist, daß das Silikon
in seiner Kartuschenkonsistenz schwierig dem Modell angelegt werden
kann. Möglich wäre eine geschlossene Hülle, z.B. aus Gips mit gebohrten
Luftkanälen, in die das Silikon aus der Kartusche direkt in diese
Formhülle gepresst wird, bis es aus den Kanälen nach und nach
heraustritt (als Zeichen der Formfüllung). Dann werden diese Kanäle mit
Stopfen oder anderweitig verschlossen. Besser wäre eine Gußhülle aus
durchsichtigem Material, damit die Füllung der Form kontrolliert werden
kann.
Ich verknete das
ausgedrückte Baumarktsilikon mit einer gewissen
Menge Maisstärke (Latexhandschuhe).
Dadurch geht die
Klebrigkeit zurück und es wird Knetmasse bzw. einem festen
Teig
ähnlich. So kann es besser auf das Modell
bis in alle Vertiefungen gedrückt werden. Es muß zügig
gearbeitet werden, denn die Masse härtet relativ schnell aus. Die
Formen daraus sind ganz in Ordnung, wenn man es versteht, das
knetmassenartige Silikon allseitig dem Modell anzulegen ohne Spalt. Für
eine gewisse Zeit sind diese Formen für das Abgiessen flexibel genug,
nach mehreren Jahren tritt aber eine Verhärtung ein. Auch würde ich sie
nicht dauerhaft im Wasser liegen lassen - wegen des Gehaltes an
quellfähiger Stärke.
Der Silikonteig wurde in einen flachen Rahmen auf den 3D-Druck
gedrückt.
Ansicht von unten durch das Glas. Modell ist mit Doppelklebeband am
Glas befestigt
Haltemasse für Rahmen am Glas (rote Knetmasse) wurde bereits entfernt
Wenn man das Modell auf einer Glasscheibe
befestigt, kann man von unten durch das Glas prüfen, ob die Form
überall gut anliegt. Zu dem Silikonteig verwende ich etwa gleiche
Volumenteile Stärke und Silikonkautschuk. Die Stärke wird in das Silikon eingearbeitet. Es läßt sich aber schlecht
mit dem Silikon vermengen, deshalb benetze! ich die Stärke mit einem
für den Kautschuk unschädlichen? Lösungsmittel (z.B.
Terpentinverdünner).
In den 70er Jahren gab es hier noch keinen
Silikonkautschuk ausser vielleicht "Cenusil" zu kaufen. Meine flexible Abformmasse in dieser Zeit
war geschmolzener Tischlerleim oder Gelatine mit 5-10% Glyzerin. Diese
Masse ist kalt nach dem Guß unglaublich zäh und gibt die feinsten
Details wieder.Eine Eigenschaft dieser Leimformen ist, daß sie auch
über Modelle mit Hinterschneidungen gegossen werden können.Von aussen
wird dann an einer günstigen Stelle ein Schnitt gemacht, um das Modell oder später
den Guß herausnehmen zu können.Die Schnittflächen können unsichtbar
wieder vereint werden. Um die Dichtheit zu gewährleisten, kann die
Schnittnaht mit einem heißen Draht verschmolzen werden. In diesen
Formen habe ich Figuren aus kalthärtendem
Polyesterharz hergestellt. Sie vertragen eben keine Wärme und auch
Gipsguß kann erst nach Behandlung der Form mit Lack o.ä. erfolgen.
Das
Abgießen der 3D-Drucke mit warmen
Abformmassen ist nicht ohne Weiteres
möglich, da die Drucke im Inneren nicht
aus Vollmaterial bestehen, sondern einen bestimmten
Füllgrad haben. Durch die Wärme dehnt sich die Luft im Inneren
aus, tritt durch diverse Spalten und Löcher der Oberfläche und bildet
mehr oder weniger Luftblasen im flüssigen Abformmaterial. Die Form hat
dadurch evtl. Fehlstellen und ist nicht brauchbar. Man kann die
Oberfläche versiegeln, indem man
den
3D-Druck (PLA) wenige Sekunden in folgende Lösung taucht und den
Überschuß ablaufen läßt oder, die bessere Lösung, gleichmäßig besprüht.
60 ml Ethylazetat
20 ml Tetrahydrofuran (THF)
10 g Polystyrol (farblos)
Zum Download biete ich hier einen Googlescan des Buches von
Eduard Uhlenhuth (siehe Wiki) : "Vollständige Anleitung zum Formen und
Giessen" von 1892 an. Die angewendeten Abformmaterialien, wie
Schwefelguss, Wachs, Siegellack, Guttapercha und andere sind natürlich
nicht mehr aktuell und werden heute durch Urethanharze, Polystyrolharz
und noch anderen, samt den vernetzenden Silikonmassen ersetzt.
Interessant sind aber die Beschreibung der Eigenschaften von Gyps und
Ton und die Art, Formmasse einzusparen oder auch die Hinweise bezüglich
des Metallgusses und der Nachbehandlung der Gussteile.
Downloadbutton Buch Uhlenhuth